Der Arzt und die Krankenschwester

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Es war vor nicht allzu langer Zeit ein Arzt. In einem schmucken Städtchen im fernen Amerika. Es war eine schlimme Zeit damals. Denn eine Epidemie hatte das Land erfasst. Und so sank der Arzt nach getaner Arbeit müde und erschöpft in seinen Stuhl. Er war ein fürsorglicher Arzt. Deshalb dachte er selbst abends noch an seine Patienten. Und wie er ihnen doch helfen könne. Aber keine Medizin hatte bisher gewirkt. Er war ratlos. Und so las er wie jeden Abend in der Fachzeitschrift für fürsorgliche Ärzte. Und da stand etwas geschrieben von einer neuen Medizin. Er frohlockte. Hoffnung kam auf. Aber dann musste er zu seiner Enttäuschung lesen, dass die Behörde in der fernen Hauptstadt noch skeptisch war. Wegen der gefährlichen Nebenwirkungen. Also erlaubte die gestrenge Behörde die Verabreichung nur in Krankenhäusern. Und nur von wenigen kundigen Ärzten. Wegen der schlimmen Nebenwirkungen auch nur in ganz kleinen Mengen.

So begab es sich, dass der fürsorgliche Arzt auf eine Idee kam. Denn im städtischen Krankhaus lag einer seiner Freunde. Dem wollte er jetzt unbedingt helfen. Mit dem neuen Medikament. Also griff er noch abends zum Hörer und rief an auf der Station, in der sein Freund seit Tagen lag. Dort meldete sich eine freundliche Stimme. Die gehörte Evelyn, die an diesem Abend Dienst tat. Pflichtbewusst wie immer. Also stellte er sich vor mit seinem Namen. Und zu seinem Namen gehört natürlich auch der Doktor. Denn er hat ja promoviert. In Medizin. Vor langer Zeit.

Auf seine Nachfrage konnte Schwester Evelyn aber leider nichts Gutes berichten. Sein armer Freund befand sich immer noch in einem jämmerlichen Zustand. Keine Besserung in Sicht. Also wies der fürsorgliche Arzt Schwester Evelyn an, seinem Patienten noch an diesem Abend eine richtig hohe Dosis des neuen Medikaments zu verabreichen. Denn aus seiner langen Erfahrung als praktischer Arzt wusste er, dass bei hoffnungslosen Fällen eine schwere Keule oft viel besser wirkt. Also, die vierfache Menge. Meinte er.

Das sei ihr aber streng verboten, erwiderte die pflichtbewusste Schwester Evelyn. Und so sehr er sich auch mühte, er biss bei Evelyn auf Granit. Selbst mit der Drohung, sie ob ihres respektlosen Verhaltens bei ihrem Chef anzuschwärzen.

Nun war er äußerst aufgebracht, der Doktor. Und hat in weiteren 21 Krankenhäusern angerufen. Denn er hatte ja viele Patienten. Und siehe da, zu seiner Erleichterung war Schwester Evelyn nur ein Einzelfall. Alle anderen Schwestern haben ihm am Telefon den gebührenden Respekt erwiesen. Und sich mit dem neuen Medikament in vierfacher Dosierung auf den Weg gemacht.


Übrigens...

Die Geschichte hat sich vor Jahren wirklich zugetragen. Ging aber zum Glück glimpflich aus. Denn der Doktor war kein Arzt. Sondern Psychologe. Und Psychologen machen bisweilen ja verrückte Versuche. Auch in diesem Fall. Und damit dabei nichts Schlimmes passiert, hat ein im Zimmer versteckter Helfer des Psychologen die Krankenschwestern an der Verabreichung der gefährlichen Dosis gehindert.

Nun kann man 21 Krankenschwestern in verschiedenen Krankenhäusern  nicht ernsthaft Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein absprechen. Aber warum lassen sie sich dann von einem Unbekannten am Telefon überreden, eine potentiell tödliche Dosis zu verabreichen? Das scheint mir allemal wert, etwas intensiver darüber nachzudenken.

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